Bexbach | 20. Januar 2017 | Autor: Tobias Kessler

„E rischtisch gudder Haas!“

Ein Koffer voller Geld im saarländischen Forst und drei Waldarbeiter, die es gut gebrauchen können – damit beginnt die saarländische Serie „Unter Tannen“ des Bexbacher Regisseurs und Autors Thomas Scherer. Die erste Folge hat nächste Woche Premiere in Saarbrücken beim Festival Max-Ophüls-Preis.


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Seine Beichte mit „Ei pass mool uff“ zu eröffnen, ist ungewöhnlich. Aber der Pfarrer (gespielt von Thomas Engel) trägt es mit Fassung, schließlich hat Paul (Gerhard Polacek) auch Ungewöhnliches zu berichten. Damit, im Beichtstuhl der katholischen Kirche in Höchen, beginnt die erste Folge der saarländischen Serie „Unter Tannen“, einer schwarzen Komödie im saarländischen Grün, geschrieben und inszeniert von Thomas Scherer (27) aus Bexbach. Gerade hat ihn das Landesfestival des Bundes Deutscher Film-Autoren Saarland mit dem Jugendfilmpreis des saarländischen Kulturministers ausgezeichnet, dotiert mit 300 Euro, für den Kurzfilm „Reise nach Nirgendwo“.

„Unter Tannen“ ist als Serie geplant, deren Realisierung aber von Unterstützern abhängt. Zu wünschen wäre es der Reihe und ihrem sympathischen Antihelden-Trio: dem erwähnten Paul im Beichstuhl, Boris (Bejo Dohmen) und Kalle (Fridolin Sandmeyer). Sie arbeiten bei guter Luft im Saarforst, wo sie einen überraschenden Fund machen: einen Koffer voller Bargeld. Was tun? Zur Polizei bringen und auf Finderlohn hoffen? Oder doch lieber kollegial teilen und nützlich investieren? Zum Beispiel in ihr finanziell angeschlagenes Feierabendlokal „Zum friedlichen Esel“, geführt von der guten Seele beziehungsweise, wie Paul es ausdrückt, vom „richtisch gudde Haas“ Marianne – gespielt von Alice Hoffmann. Auch das dörfliche Laientheater „Es dicke Hinkel“, in dem Boris mitmimt, könnte einen Zuschuss gut gebrauchen. Und Kalle könnte, nach drei Jahren Verlobung, endlich die Hochzeit mit seiner Freundin finanzieren, sprich „heiraade gehn“.

Also wäre alles gut, führe da nicht ein BMW mit Homburger Kennzeichen durch den Forst, filmisch begleitet von unheilvollen Gitarrenklängen. Der Karosse entsteigt der äußerlich sehr gepflegte Gangster Dieter (Hanno Friedrich), dem schon mal die Hand ausrutscht, wenn einer seiner Wasserträger die saarländische Eigenheit, zwischen „ch“ und „sch“ sprachlich keinen großen Unterschied zu machen, nicht in den Griff bekommt. Diesem Dieter gehört das Geld, das er zügig zurückhaben will – doch Paul stellt sich quer, und Kalles Anteil ist plötzlich verschwunden, mitsamt der Verlobten. Die Probleme fangen also erst richtig an.

So endet die erste Folge von „Unter Tannen“, gedreht unter anderem im Bierkeller des Sanddorfer Schießhauses, im Homburger Wald und im Saarbrücker Kinder- und Jugendtheater Überzwerg. Ein munteres, sehenswertes Debüt, mit einem Trio, bei dem die Chemie stimmt, dazu mit viel Lokalkolorit und saarländischem Zungenschlag, der aber auch jenseits der Bundeslandsgrenze gut verständlich sein sollte. Dass der Darsteller Gerhard Polacek aus Österreich kommt und sein Dialekt eine interessante Saar-Ösi-Kombination darstellt, wird in „Unter Tannen“ kurz erklärt – Paul ist ein Zugereister, aber gut integriert.

Ob „Unter Tannen“ in Serie geht, hängt nun von Interessenten ab, die sich an der Produktion beteiligen. Scherer hat die erste Folge als Abschlussarbeit an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Medien in Offenburg realisiert, mit einem Zuschuss der Saarland-Medien und in der Hoffnung, Fernsehsender dafür zu interessieren – wobei der SR, so Scherer, Interesse signalisiert hat. Man wüsste ja doch gerne, wie es weitergeht mit diesem Trio und Dieter, dem garstigen Gangster.

„Unter Tannen“ läuft beim Ophüls-Festival, in der Reihe von Filmen, die die Saarland Medien gefördert haben: Mittwoch, 14 Uhr, Cinestar 8.