Zweibrücken | 08. April 2016 | Autor: Dieter Becker

Pfefferspray kann ins Auge gehen

Die Polizeidirektion warnt eindringlich davor, sich mit Pfefferspray zu bewaffnen. Damit werde man nicht nur schnell selbst zum Täter werden – es bringe auch nicht mehr Sicherheit. Auch Frauen hätten wirksamere Methoden, sich zu wehren.


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Die zunehmende Gewalt gegen Frauen, darunter sexuelle Übergriffe an Bahnhöfen, haben viele Frauen auch in Zweibrücken und der Südwestpfalz verunsichert. Sie bewaffnen sich mit sogenannten Abwehrsprays.

Viele Sprays sind ausverkauft. Doch Vorsicht ist geboten: Die Polizei warnt vor dem Einsatz von Pfefferspray gegen Menschen. Polizeihauptkommissar Gerd Fallböhmer und Kriminalhauptkommissar Martin Sema von der Polizeidirektion Pirmasens, die auch für Zweibrücken zuständig ist, erklärt: „Man kann sich strafbar machen, wenn die Dosen kein Prüfzeichen haben, dann sind sie in Deutschland nicht zugelassen. Außerdem darf Pfefferspray nur zur Abwehr von Tieren eingesetzt werden. Dieser Hinweis ist auch an den Dosen angebracht. Ein Pfefferspray ohne diesen Hinweis ist illegal in Deutschland. Wer solch eine Dose besitzt, verstößt gegen das Waffengesetz. Erlaubt sind Reizgase, die mit einem BKA- und PTB-Zeichen gekennzeichnet sind.“ Die beiden Präventionsexperten der hiesigen Polizei halten die Tendenz zur zunehmenden Bewaffnung für bedenklich. Gerd Fallböhmer: „Bewaffnung ist der falsche Weg. Mehr Waffen bedeuten auch ein größeres Risiko, dass etwas passiert. Wenn einer eine Waffe zieht, bekommt das Ganze eine andere Qualität. Das ist kein Schutz. Eine harmlose Situation kann somit sehr schnell eskalieren. Auch befindet sich das Spray in der Regel in der Handtasche oder im Rucksack. Und ein Täter wartet nicht, bis sein Opfer etwas aus der Tasche gezogen hat.“

Dass man in einer Notsituation auch sehr schnell zum Täter und dann zum Angeklagten werden kann, zeigen Gerichtsverfahren. In Deutschland darf man sich nicht uneingeschränkt gegen einen Angreifer wehren. Strafverteidiger Alexander Becker aus Pirmasens: „Ich darf mich zwar verteidigen – aber nur, um aus einer Gefahrensituation herauszukommen.“ Polizeisprecher Martin Sema verdeutlicht, was eine Pfefferspray-Verteidigung bewirken kann: „Kommt das Spray mit den Augen in Berührung, kann es zu einer Verätzung kommen.“ Die mögliche Folge: eine Erblindung.

So kann schnell aus dem Opfer ein Täter werden. Die Folgen: ein Strafverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung und ein Zivilverfahren wegen Schmerzensgeld und Schadensersatz. „Die finanziellen Folgen für die Sprühende können verheerend sein“, betont auch sein Kollege Gerd Fallböhmer. Weiter: „Die Krankenkasse wird versuchen, alle Kosten und Folgekosten geltend zu machen. Das kann über Jahre gehen.“

Warnung und Vorsicht auch vor dem Einsatz einer Gas- oder Schreckschusswaffe, die ebenfalls frei erhältlich sind, wobei zum Mitführen der kleine Waffenschein benötigt wird. Gerd Fallböhmer: „Man stelle sich eine Szene vor, in der die Polizei zu einer Auseinandersetzung gerufen wird, in der die Pistole einer scharfen Waffe zum Verwechseln ähnlich sieht.“ Nach Einschätzung der Polizeibeamten erzeugt eine Bewaffnung nur „ein trügerisches Sicherheitsgefühl.“

Was soll eine Frau tun, wenn sie auf offener Straße in eine Gefahrensituation gerät? „Den Kontakt zur Öffentlichkeit suchen. Den Angreifer wegstoßen und weglaufen. Auch lautes Schreien, und Hilfe rufen“, empfehlen Fallböhmer und Sema. „Nicht in Panik geraten und etwas Dummes tun.“

Auch in der Region Südwestpfalz kam es schon zum Einsatz von Pfefferspray durch Passanten, darunter in einer Pirmasenser Schule. Auch die Polizei musste bei Einsätzen schon zum Pfefferspray greifen. „Das ist aber ein spezielles, für die Polizei hergestelltes und zugelassenes Pfefferspray, das nicht mit dem Tierabwehrspray vergleichbar ist“, betont der Präventionsbeauftragte Gerd Fallböhmer.