Zweibrücken | 20. Juli 2016 | Autor: Eric Kolling

Die Star-Trek-Physik auf dem Prüfstand

Wie genau nehmen es die Macher der „Star Trek“-Serien eigentlich mit Physik und Technik? Erstaunlich genau – hat Experte Metin Tolan herausgefunden und das in einem sehr lesenswerten Buch verpackt. Nicht nur für Captain-Kirk-Fans zu empfehlen!


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Wenn es darum geht, das Star-Trek-Universum auf seine naturwissenschaftliche Stimmigkeit zu überprüfen, ist in Zweibrücken Hubert Zitt erster Ansprechpartner. Der Hochschul-Dozent begeistert seit Jahren mit seinen Vorlesungen. Ein anderes Schwergewicht als Physikerklärer ist Metin Tolan, Professor an der Technischen Universität Dortmund und wie Zitt begeistert von Raumschiff Enterprise und allem was zum Universum von Gene Roddenberry dazugehört. Dieser Leidenschaft gibt sich der 51-Jährige immer dann hin, wenn er nicht gerade – wie auch schon an der Zweibrücker FH 2012 – Vorträge zum Untergang der Titanic hält oder Bücher über die „Physik des Fußballspiels“ schreibt.

Sein neues Werk „Die Star Trek Physik – Warum die Enterprise nur 158 Kilo wiegt und andere galaktische Erkenntnisse“ hat er im Piper-Verlag veröffentlicht. Darin überprüft er auf 352 Seiten die Erfindungen im Universum im 22. Jahrhundert und danach, also zu Zeiten der Captains Archer, Kirk oder Picard, auf ihre Stimmigkeit. Natürlich betrachtet vom heutigen Stand der Wissenschaft. Was ist theoretisch in einigen Jahrzehnten oder Jahrhunderten denkbar, was kann so nie kommen wie auf der Enterprise? Allen Betrachtungen stellt Tolan Dialogausschnitte aus Serienfolgen oder den Kinofilmen voran. Auf dieser Basis analysiert er Phänomene wie den Warp-Antrieb, das Beamen oder Zeitreisen. Manches kommt dem hiesigen Star-Trek-Fan aus Zitts Vorlesungen bekannt vor, der Tolan kennt und auch schon auf dessen Fakten zurückgegriffen hat.

Einige von Tolans erstaunlichen Ergebnissen: Vieles in den Serien stimmt erstaunlich genau, obwohl man sich die teils in den 60ern ausgedacht hatte – als der Stand der Wissenschaft noch nicht so weit wie heute war und eine Mondlandung selbst nur Vision. Und mathematisch war man auch penibel: So rechnet Spock in einer Folge in Windeseile aus, dass genau 1 771 551 puschelige Tribbles in den Laderaum der Enterprise passen. Und damit den Nagel auf den Kopf trifft. Anderes ist inzwischen umgesetzt, transparentes Aluminium etwa, wie es im vierten Star-Trek-Film (1986) erwähnt wurde, gibt es bei uns seit 2002.

Das Beamen, also das Auflösen von Personen und Wiederzusammensetzen von Körpern auf einem Planeten, ist zwar physikalisch möglich, scheitert aber an den unvorstellbaren Energiemengen, die nötig wären. Solange nicht mindestens unsere Sonne leergezapft wird (so ähnlich funktionierte ja die imperiale Superwaffe im neusten Star-Wars-Film), bleibt das also unerreichbar. Noch größer wären die Probleme bei Reisen mit Warp-Geschwindkeit oder Zeitreisen in die Vergangenheit. In die Zukunft könnte man hingegen reisen – wenn man sich weit genug von der Erde entfernt und dann zurückreist. Die Zeit auf der Erde würde schneller verlaufen. Durchaus möglich hält Tolan künftig Geräte, mit deren Hilfe man Nahrungsmittel aus Energie herstellt, die Super-Weiterentwicklung von 3-D-Druckern quasi. Auch gigantische Datenspeicher, wie in der Serie durch den Androiden Data verkörpert, seien wahrscheinlich.

Tolan beschreibt das alles lesenswert und kurzweilig, schafft den Spagat zwischen harter und anspruchsvoller Physik und fluffiger Unterhaltung. Auch deshalb, weil er ganz abgedrehte Berechnungen mit Formeln stets als „Details für Besserwisser“ auslagert, die man als Laie überblättern kann. Alles in allem eine lange nicht nur Star-Trek-Fans sehr interessante Lektüre. Einige Redigier- und kleinere sachliche Fehler fallen da nicht ins Gewicht.

Metin Tolan: Die Star Trek Physik – Warum die Enterprise nur 158 Kilo wiegt und andere galaktische Erkenntnisse, 352 Seiten, Piper-Verlag, 20 Euro, ISBN: 978-3-492-05653-3