Zweibrücken | 30. November 2015 | Autor: Katja May

Praktisch und anschaulich

Seit fünf Wochen laufen in der Flüchtlingsunterkunft am Zweibrücker Flughafen Deutschkurse. Gestartet wurde die Aktion von einer Schülergruppe des Zweibrücker Hofenfels-Gymnasiums.


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„Freitag, Samstag, Sonntag“, schallt es deutlich im Chor durch den kleinen Windfang an der ehemaligen Abflughalle, gefolgt von „eins, zwei, drei“. Karteikärtchen mit den Buchstaben des Alphabets sowie den Umlauten zieren die Wände des Raumes. Am Kopfende stehen zwei schmale Tafeln sowie eine große Pinnwand. Auf den 30 Stühlen drängen sich Männer, Frauen und Kinder unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft. Eifrig schreiben sie die Wörter von der Tafel in ihre Hefte.

Seit nunmehr fünf Wochen laufen im Erstaufnahmelager auf dem Zweibrücker Flugplatz Deutschkurse für die dort untergebrachten Flüchtlinge. Initiiert wurde der Unterricht von einer elfköpfigen Schülergruppe des Zweibrücker Hofenfels-Gymnasiums. „Die meisten von uns sind im gleichen Stammkurs und wir alle wollten uns für Flüchtlinge im Aufnahmelager engagieren. Durch Haders Mutter haben wir dann Kontakt zur Lagerleitung aufgenommen“, erinnert sich Nele Schäfer an die Anfänge des Projekts. Hader Al-Saffars Mutter Angham Ghadeer arbeitet für das DRK im Auffanglager auf dem Flugplatz und koordiniert unter anderem das Deutschkursangebot im Lager.

Mittlerweile findet in drei behelfsmäßigen Klassenräumen täglich Unterricht statt, teilweise sogar mehrmals am Tag. Die Flüchtlinge nehmen den Unterricht dankbar an. Stundenpläne in mehreren Sprachen informieren über die Unterrichtszeiten und alle Flüchtlinge können nach Belieben die Kurse besuchen. „Die Schwierigkeit dabei ist, dass viele oftmals nur zwei bis drei Wochen hier sind und gleichzeitig aber ständig neue Schüler dazu kommen“, erklärt Al-Saffar, „Somit fängt man eigentlich immer wieder von vorne an und hat Menschen mit unterschiedlichem Wissensstand im Kurs.“

Im Schnitt stehen pro Kurs zwei Lehrer zur Verfügung, die gemeinsam den Unterricht gestalten. „Wir haben kein Lehrwerk, sondern üben einfach Dinge, die wir für wichtig halten, zum Beispiel die Wochentage, sich vorstellen und die Bezeichnungen von Obst und Gemüse“, fasst Schäfer das Unterrichtskonzept zusammen. „Oftmals erhalten wir auch Rückmeldung von den Schülern, die uns sagen, was sie gerne lernen wollen“, ergänzt Al-Saffar. Dabei setzen die jungen Lehrer vor allem auf bildliche Erklärungshilfen, denn meistens existiert keine gemeinsame Sprache, in der sie sich mit ihren Schülern verständigen können. Der Respekt ihrer Schüler ist ihnen aber trotzdem gewiss. „Alle, die zum Kurs kommen, sind sehr motiviert. Sie wollen lernen und lernen vom jedem. Es ist kein Problem, dass ich eine junge Frau bin. Wir sind respektvoll gegenüber den Flüchtlingen und sie gegenüber uns“, sagt die 18-jährige Schäfer. Gerne opfern sie und die anderen Lehrer trotz der laufenden Abiturvorbereitungen deshalb einen Teil ihrer Freizeit für den Unterricht: „Es macht einfach Spaß zu unterrichten und ich schätze den Kontakt zu den Menschen.“