Zweibrücken | 25. Oktober 2016 | Autor: Eric Kolling

Schulvandalen kommen milde davon

Mit recht milden Strafen ist gestern vor dem Zweibrücker Amtsgericht das Verfahren gegen elf Jugendliche ausgegangen, die im Februar 2015 erhebliche Schäden in der Hauptschule Nord angerichtet hatten. Ein großes Problem wartet auf die Angeklagten aber noch.


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Zwischen 40 und 120 Stunden gemeinnützige Arbeit, teils ergänzt durch Geldstrafen von 300 bis 900 Euro an Kinderschutzbund oder Jugendfeuerwehr – mit diesen Strafen ist gestern nach viereinhalbstündiger Verhandlung der Prozess gegen elf Jugendliche zu Ende gegangen. Ihnen wurde zur Last gelegt, in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 2015 im Gebäude der früheren Hauptschule Nord in der Zweibrücker Hofenfelsstraße gewütet und erheblichen Sachschaden angerichtet zu haben. Jeweils mehrfachen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung warf ihnen die Staatsanwaltschaft vor, bei einem der Angeklagten fiel auch sein Schmierestehen bei einem früheren Einbruchsdiebstahl ins Gewicht.

Dass gleich elf Angeklagte nebst ihren Verteidigern im Sitzungssaal 1 des Zweibrücker Amtsgerichts Platz nehmen mussten, war ungewöhnlich. Die langen bürokratischen Wege und Terminfindungsfragen waren mit dafür verantwortlich, dass es erst jetzt zum Gerichtsverfahren kam, obwohl die Angeklagten beinahe unmittelbar nach der Tat ausfindig gemacht wurden und geständig waren. Die Polizei konnte ihre im Schulgebäude hinterlassenen Getränke Überwachungsvideos einer Supermarktkamera zuordnen. Die Staatsanwaltschaft rekonstruierte die Tat so: Fünf der Angeklagten hatten sich am Tatabend im Edeka im Hilgard-Center mit Alkohol und Knabbereien eingedeckt und seien dann in Feierabsicht in die Hauptschule Nord gezogen, die einige von ihnen vormals besuchten. Einer aus der Gruppe hatte nachmittags den Weg geebnet: Durch die öffentliche Jugendbücherei war er ins Gebäude gelangt und hatte eine Tür entriegelt, die abends als Eingang diente. Die Gruppe hatte sich zunächst im Lehrerzimmer aufgehalten. Je gelöster die Stimmung, desto mehr Unfug wurde wohl getrieben. Schließlich sprühten die Jugendlichen mit Feuerlöschern im Gebäude herum und verstreuten Kopierpapier im Schulhof. Zufällig trafen sie danach vor dem nahegelegenen Kiosk (Ex-)Mitschüler. Alle zusammen drangen daraufhin in die Schule ein und hantierten dort mit Löschschaum. Nachdem einer angefangen hatte, mit einem Wasserschlauch auf einen anderen zu spritzen, uferte auch dies aus. Am Ende wurden Schläuche nicht mehr zugedreht. Es liefen 100 000 Liter Wasser aus, Decken wurden durchnässt, eine Flurtür eingetreten, ein Kopierer durch Schaum unbrauchbar, Feuerlöscher leer. Im Laufe der Nacht wurde das Gebäude mehrfach verlassen und – etwa nach einem Abstecher zum Burger King – von einigen wieder betreten und weiter verwüstet. Daher gestaltete sich die exakte Tatrekonstruktion und Schuldzuschreibung schwierig.

Klar erschien eins: Das einzige Mädchen unter den Angeklagten war – so die einheitlichen Aussagen – zwar als Mitläuferin mit ins Gebäude gekommen, hatte aber keinen Schaden angerichtet. Das Verfahren gegen sie wurde gegen eine Auflage von 20 Stunden gemeinnütziger Arbeit eingestellt.

Die übrigen Jugendlichen stammen teils aus geordneten Verhältnissen, mehrere haben eine Trennung der Eltern miterlebt, einer war zuvor herausragender Leichtathlet, manche hatten kleinere Delikte auf dem Kerbholz. Den zehn sehr reuig wirkenden Angeklagten kamen am Ende vor allem ihre Geständnisse zu Gute. Ebenso, dass sie seit der Tat nicht mehr auffällig wurden und es für manche ohnehin die einzige Verfehlung war. Da sie zum Tatzeitpunkt noch minderjährig waren beziehungsweise der Jugendgerichtshelfer den Über-18-Jährigen ein jugendliches Verhalten bei der Tat konstatierte, wurde Jugendstrafrecht angewandt, so Richter Stefan Pick, Einträge ins polizeiliche Führungszeugnis gab es also nicht. Pick blieb mit seinen Strafen unter den Forderungen der Staatsanwältin, die außer Verwarnungen für alle noch 80 bis 150 Arbeitsstunden gefordert hatte. Sie habe beim Strafmaß eher auf die Tatbeteiligung jedes Einzelnen abgehoben, die zehn Anwälte auf mildernde Umstände, so Pick. Es sei ein gruppendynamischer Prozess gewesen. Man habe auch berücksichtigt, ob die Beschuldigten aktuell Geld verdienten oder in Ausbildung seien. „Es hat sich ohnehin die Frage gestellt, ob wir die Taten überhaupt noch sanktionieren müssen“, so Pick am Ende. Denn vor zwei Wochen sei den Angeklagten ein Bescheid der Stadt über Kosten von rund 47 000 Euro zugegangen: Gebäudesanierung, Feuerwehreinsatz, Stadtwerke, Reparatur von Kopierer und Telefonanlage im Schulhaus. Diese Kosten müssen die Jugendlichen nun auch begleichen. Dass es dabei zu Streit kommt, wer genau was getan hat und welchen Anteil übernimmt, sei nicht auszuschließen, mutmaßte Pick. Da alle Verteidiger und die Staatsanwältin auf Rechtsmittel verzichteten, ist das Urteil rechtskräftig geworden.