Zweibrücken | 11. Januar 2017 | Autor: Volker Baumann

Wilde Szenen im Wald beschäftigen Justitia in Zweibrücken

Vor dem hiesigen Landgericht wird einem Zweibrücker seit gestern schwere Raub vorgeworfen. Er soll einen Ex-Arbeitskollegen in den Wald gelockt, bedroht und um Handy sowie Autoschlüssel erleichtert haben.


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Gestern wurde vor dem Landgericht Zweibrücken das Verfahren gegen einen jungen Zweibrücker eröffnet, dem von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen wird, im Juli 2016 einem Bekannten Gewalt angedroht, dann dessen Autoschlüssel und ein Handy geraubt zu haben. Er ist bei der Staatsanwaltschaft kein unbeschriebenes Blatt, weist bereits ein Vorstrafenregister auf.

Wie spielte sich die Tat ab und was geschah davor? Als Zeuge sagte zunächst der 20-jährige Geschädigte, ehemaliger Arbeitskollege des Täters bei einer Autowerkstatt, vor der Strafkammer aus. Den Angeklagten bezeichnete er als jemanden der schnell ausraste; er sei aus der Firma geflogen, weil er „Scheiße gebaut“ habe. Unter anderem habe er auch regelmäßig Pep (Amphetamin) konsumiert. Beide seien schon öfters aneinandergeraten, wobei der Angeklagte den Kürzeren gezogen habe. Offenbar um an Geld zu gelangen, habe dieser ihm am Tattag eine Sprachnachricht zukommen lassen, um ihn zu einem Treffen zu bewegen, ansonsten würde der Mutter des Geschädigten etwas passieren. Vom Treffpunkt in Ixheim fuhr man auf Weisung des Angeklagten zum Hundeplatz in den Birkhausen bei Rimschweiler.

Warum der Geschädigte dieser Aufforderung ohne Not folgte, wollte die Vorsitzende Richterin Susanne Thomas wissen. Die Ausführung dazu klingt etwas dubios: Er habe sich davon versprochen, den Angeklagten am Ankunftsort zu vermöbeln und aus dem Auto zu schmeißen, da er vor ihm keine Angst habe. Dort angekommen habe dieser allerdings einen Teleskopschlagstock aus der Hosentasche gezogen, ihn damit bedroht und sein Handy und den Autoschlüssel verlangt. Nachdem er ihm die Sachen ausgehändigt hatte, seien sie beide ausgestiegen. Er habe mehr Angst um das Innenleben seines Autos, als um sich gehabt, betonte der junge Mann, der dem Angreifer den Schlagstock habe entreißen können, worauf dieser einen Zweiten gezogen habe und in Richtung Hundeplatz weggerannt sei. Als ein Zeuge vorbeigekommen sei, habe er den Stock in ein Gebüsch geworfen. Später sei er in einen in der Nähe haltenden BMW, besetzt mit drei Personen, eingestiegen, und mit der Beute geflüchtet.

Besagter Zeuge, ein städtischer Arbeiter, schilderte vor dem Landgericht, er sei zunächst vom flüchtenden Angeklagten angesprochen worden, er selbst werde vom Verfolger bedroht, ehe dieser ihm die Umstände erklärt und man die Polizei gerufen habe. Bei der späteren Festnahme aufgrund eines Haftbefehls sei der Angeklagte wenig kooperativ, provokant und selbstherrlich gewesen, so der Leiter der Fahndungsgruppe der Kriminalinspektion Pirmasens. Wie es der Zufall so will – den entwendeten Schlüssel fand die Freundin des Angeklagten in einem Blumentopf, den die Hauskatze umgeworfen hatte, und verständigte die Polizei. Die Verhandlung wird heute fortgesetzt.