Zweibrücken | 15. Juni 2016 | Autor: Norbert Rech

TLT sorgt für frische Luft

In den Schweizer Alpen ist mit dem St.-Gotthard-Basistunnel der längste Eisenbahntunnel der Welt entstanden. Mit beteiligt an diesem Mammutprojekt war auch das Zweibrücker Unternehmen TLT.


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Mit der Betriebslüftung des St.-Gotthard-Basistunnels in den Alpen hat das Zweibrücker Unternehmen TLT-Turbo nicht nur eine riesige Herausforderung gemeistert. „Es wurde auch sehr viel Entwicklungsarbeit geleistet“, macht der am Projekt maßgeblich beteiligte Andreas Kuhn deutlich, dass in den fünf Jahren Planungs- und Bauzeit auch technisch ein großer Sprung gemacht worden sei. Zumal der Tunnel ein Jahr früher als geplant fertig war. Zudem konnten gemeinsam mit dem Schweizer Partner ABB rund 55 Millionen Euro an Einnahmen verbucht werden.

 

Insgesamt gebe es neben TLT lediglich ein weiteres Unternehmen, das solch riesige Ventilatoren auf dieser 57 Kilometer langen Eisenbahnstrecke durch den Tunnel verbauen könne. Nachdem 2007 eine Machbarkeitsstudie abgegeben wurde, bekamen die Zweibrücker 2011 den Zuschlag (wir berichteten). Die Ventilatoren sorgen für Be- und Entlüftung im Tunnel. Das System sei auf drei Szenarien ausgerichtet. So werde normalerweise vor allem durch den Austausch der Luft dafür gesorgt, dass sich die Temperatur im Tunnelinnern von bis zu 50 Grad auf weniger als 40 Grad Celsius verringert. „Auf der Mitte der Strecke wird es sonst zu warm“, so Kuhn.

 

Im zweiten Fall müsse für Belüftung bei Erhaltungsarbeiten gesorgt werden. Dann werde ein Teil des Tunnels gesperrt. Der Betrieb gehe aber weiter, da das Konzept hier zwei Röhren mit sechs Zonen vorsehe. Die Sanierungen finden an jedem Wochenende statt.

 

Besonders wichtig sei aber, dass man auch auf Notfälle bestens vorbereitet sei. Brände beispielsweise seien durch Sensoren leicht erkennbar. Der Zug könne dann an einer Nothaltestelle stoppen, die mit Frischluft versorgt wird. Das Rauchgas wird im Gegenzug abgesaugt.

 

Am St. Gotthard sei insbesondere die Logistik vor große Herausforderungen gestellt worden. Die Baustelle habe sich auf dem Berg in teilweise 1500 bis 1600 Metern Höhe befunden. Da sei schon allein die Zulieferung der Ventilatoren mit einem Durchmesser von etwa drei Metern nicht einfach gewesen. Um Geld einsparen zu können, sei auch die unterirdische, einen Kilometer lange Zu- und Abfahrt zum Schacht auf das Notwendigste beschränkt gewesen.

 

TLT könne aber auf eine umfangreiche Erfahrung mit schwierigen Projekten zurückblicken. Als Beispiele nennt Kuhn den Hamburger Elbtunnel, den Arlbergtunnel und den Selisbergtunnel. Das Unternehmen beschäftigt rund 400 Mitarbeiter. „Wir suchen auch Auszubildende zum Bürokaufmann, technischen Zeichner oder in den Bereichen Personal und EDV“, berichtet der Mitarbeiter. Aber auch junge Leute, die zu Montagearbeiten bereit sind, seien gefragt.

 

Zurzeit baue TLT einen Aeroakustik-Windkanal auf dem Werksgelände von VW in Wolfsburg. Geplant sei ein weiterer Windkanal in China und Ventilatoren für ein Kraftwerk in Malaysia. > Seite 16: Weiterer Bericht