Zweibrücken | 19. April 2017 | Autor: Lutz Fröhlich

Stadtwerke helfen Kunden beim Sparen

Zuschüsse für neue Geräte, kostenlose Hausanalysen und Messgeräte – mit vielen Instrumenten sorgen die Zweibrücker Stadtwerke dafür, dass sie niedrigere Rechnungen verschicken.


Anzeige

Die Stadtwerke Zweibrücken verkaufen ihren Kunden nicht nur Energie – sie helfen ihnen auch dabei, Energie zu sparen. Insgesamt rund 500 Kunden haben Energieberater Rainer Ringeisen und sein neuer Kollege Karsten Bruche im vergangenen Jahr Tipps gegeben.

Manche Kunden bekommen nicht nur Tipps, sondern auch Geld – wenn sie eines der Förderprogramme nutzen. 2016 gab es insgesamt 24 000 Euro Zuschuss für den Kauf umweltfreundlicher Produkte aus den üblichen Fördertöpfen der Zweibrücker Stadtwerke, hinzu kamen 20 000 Euro durch eine einmalige Sonderaktion für Brennstoffzellen-Heizungen (die auch Strom erzeugen). Diese Bilanz zog Ringeisen gestern auf Merkur-Anfrage.

Neu sind dieses Jahr die „Raustauschwochen“: Für zwischen März und Oktober ausgetauschte und abgerechnete Erdgasbrennwert-Heizungsanlagen mehrerer Marken gibt es 200 Euro Zuschuss. Ab wann ist der Heizkosten-Spareffekt so groß, dass sich ein Neukauf lohnt? Das komme auf den Einzelfall an und hänge vor allem von den häuslichen Gegebenheiten und dem Alter der alten Anlage ab, antwortet Ringeisen; als Faustregel gelte aber: „Ab 20 Jahren sollte man sich langsam Gedanken machen.“

Die Raustauschwochen sind nur eines von mehreren Förderprogrammen der Stadtwerke. Zahlenmäßig am meisten nachgefragt ist die Pedelec-Förderung: 58 Kunden bekamen vergangenes Jahr 50 Euro Zuschuss für den Kauf eines Elektrorads. Die größten Summen gehen bei den Heizungszuschüssen über den Tisch. So gibt es für die Umstellung von Nachtspeicher- oder Ölheizung auf Erdgas-Zentralheizung ab 250 Euro, für eine Elektrowärmepumpe 500 Euro oder für eine Brennstoffzellen-Anlage 1000 Euro.

Ist es nicht paradox, Kunden Geld dafür zu zahlen, dann sie am Ende weniger Gas oder Strom bei den Stadtwerken kaufen? Die Stadtwerke denken dabei an die Ökologie, aber natürlich auch die Kunden, erklärt Ringeisen: „Nur ein zufriedener Kunde ist auch dauerhaft ein Kunde.“ Ringeisen bietet deshalb Kunden auch kostenlose Hausbesuche an, um Sparpotenziale zu erkunden. „Ich gucke mir von oben bis unten alles an und kann fast immer einen etwa dreiseitigen Bericht mit Vorschlägen machen, wo man etwas tun kann.“ Manchmal gäben Hausherren viel Geld für eine richtig dicke Dämmung aus – doch Fenster stünden dauernd gekippt: „Der Dämmeffekt geht dann verloren. Das ist wie bei einer Thermoskanne: Wenn da der Deckel schräg draufliegt, ist der Kaffee in wenigen Minuten kalt!“ Er wundere sich auch immer wieder, „dass Leute 320 000 für ein Haus ausgeben, und dann werden 1000 Euro an guten Klebebändern für die Dachdämmung gespart“. Die Folgen sehe er bei bestimmten Temperaturen oft schon von außen, „wenn an den kritischen Stellen auf dem Dach kein Raureif ist“.

„Viele Leute denken beim Energiesparen nur an den Gasverbrauch – aber die Kilowattstunde Strom kostet fünf Mal so viel wie die Kilowattstunde Gas, da lässt sich oft viel mehr sparen“, erklärt Ringeisen. So dächten viele Leute beim Fernseher, der Stand-by-Betrieb sei das Hauptproblem – hier aber habe die EU mittlerweile sehr niedrige Grenzwerte durchgesetzt. Doch beim laufenden Betrieb seien die Unterschiede zwischen verschiedenen TV-Modellen oft groß.

Und wenn ein Kühlschrank überdimensioniert sei, nutze auch dessen „A+“-Label wenig. Einer älteren Kundin habe er neulich allein durch Änderung der Energieeinstellungen an ihrem Computer dessen Stromverbrauch um ein Drittel reduziert. Wobei bei Computern die Stromverbrauchsunterschiede enorm seien: Ein Gamer-PC verbrauche etwa 25 Mal so viel Strom wie ein Notebook.

Obwohl auch Gerätehersteller heute meist mehr als früher auf den Stromverbrauch achten, sinke er insgesamt nicht, beobachtet Ringeisen, der seit 25 Jahren Energieberater bei den Stadtwerken ist: „Dieser Vorteil wird durch die Vielzahl neu hinzukommender Geräte geschluckt.“

Die Energieberatung der Stadtwerke bietet Kunden nicht nur Hausbesuche an, sondern verleiht auch Messgeräte, um Stromfressern auf die Spur zu kommen. Das sei, wie die Hausbesuche, auch für viele finanziell nicht gut gestellt Kunden attraktiv, sagt Ringeisen – zumal man lieber Kunden beim Sparen helfe als Mahnungen zu verschicken. Aber leider werde gerade aus diesem Kundenkreis die Energieberatung nur wenig in Anspruch genommen.

Auch gewerbliche Kunden seien „etwas träge“, wundert sich Ringeisen: Etwa 95 Prozent der Nutzer seien Privatkunden. Dabei sieht Ringeisen „viel Potenzial“, wenn er etwa durch die Fußgängerzone geht – durch bessere Beleuchtung, zum Beispiel die Leuchtfarbe, ließen sich viele Schaufenster attraktiver gestalten und gleichzeitig Geld sparen. So habe kürzlich ein Optikergeschäft nach seiner Beratung für 1600 Euro auf LED-Leuchtmittel umgestellt – und spare dadurch nun jährlich etwa 1100 Euro Stromkosten. Wobei es „viel grottenschlechtes LED-Licht gibt“, warnt Ringeisen vor Blindbestellungen im Internet. Die Stadtwerke verleihen deshalb auch Leuchten zum Ausprobieren vor Ort.

Detaillierte Informationen und Bedingungen zu allen Zuschussangeboten der Stadtwerke, von Heizungen über Waschmaschinen bis zu Solaranlagen oder E-Bikes, stehen auf www.stadtwerke-zw.de (Mitte der Startseite: „Beratung“).

 

Zum Thema:

 

Erdgas-Autos bald wieder stärker nachgefragt? 500 Euro Zuschuss bekommen Stadtwerkekunden beim Kauf eines Erdgas-Autos. Hohe Reichweite, Benzinreservetank, genügend Tankstellen, niedriger Schadstoffausstoß, mittlerweile ausgereifte Technik, Kostenvorteile schon bei mittlerer Kilometerleistung – Energieberater Rainer Ringeisen sieht viele Argumente für Erdgas-Autos. Doch 2016 wollten die Prämie ganze zwei Kunden. Ringeisen rechnet damit, dass dies bald wieder mehr werden, zumal unter anderem VW und Opel neue Modelle angekündigt hätten. Auch zwei Zweibrücker Fahrschulen setzten auf Erdgas-Autos, dadurch hofft Ringeisen (der selbst seit vielen Jahren zufriedener Erdgas-Fahrer ist) auf gute Mund-zu-Mund-Propaganda.