Zweibrücken | 29. August 2015 | Autor: Fritz Schäfer

Mehr Spaß ohne Jungs?

Zwei siebte Klassen des Hofenfels-Gymnasiums werden ab dem neuen Schuljahr getrennt nach Geschlechtern unterrichtet. Ziel ist, dass sich weniger Mädchen von Physik abwenden.


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Seit Jahren wenden sich Mädchen schnell vom Fach Physik ab. Diese Erfahrung machen auch die Lehrer des Zweibrücker Hofenfels-Gymnasiums, wie Physiklehrer Karl-Otto Stengel auf Merkur-Nachfrage sagt. Deshalb hätten die Fachlehrer zugestimmt, dass ab dem kommenden Schuljahr in zwei siebten Klassen Physik nach Geschlechtern getrennt unterrichtet wird (wir berichteten).

„Die Physiklehrer erleben, dass die Mädchen den Spaß an dem Fach nach und nach verlieren“, schildert Stengel seine Erfahrung. Als Folge entscheiden sich immer weniger Mädchen gegen Physik in der Oberstufe. Von dem neuen Projekt verspricht sich Schulleiter Werner Schuff eine Erhöhung des Anteils von Mädchen in den Physik-Leistungskursen in der gymnasialen Oberstufe. „Die Schülerinnen erhalten dadurch eine breitere Orientierung bei der Studien- und Berufswahl“, sagt Schuff.

Motiviert wurde die Schule durch Forschungsergebnis, wonach sich Mädchen weniger für Mathematik, Naturwissenschaft und Technik interessieren. „Seit Jahren ist bekannt, dass sich Mädchen vom Fach Physik abwenden“, sagt Professorin Mandy Schiefner-Rohs von der Technischen Universität Kaiserslautern, die das Projekt wissenschaftlich begleitet.

Stengel erwähnt, dass die Intention von der Schule ausgegangen sei. Dabei habe man Physik als „zentrale Naturwissenschaft“ ausgewählt. Die Wissenschaftler von der Kaiserslauterer Hochschule wollen untersuchen, „inwieweit ein geschlechtergetrennter Physik-Unterricht ohne den geschlechtertypischen Wettbewerb das Verhalten der Mädchen ändern kann“.

„Das ist auf jeden Fall einen Versuch wert“, sagt Stengel. Das Projekt ist auf vier Jahre angelegt. Dabei werden zum Schuljahrbeginn in der übernächsten Woche zwei siebte Klassen mit einem vergleichbaren Anteil an Jungen und Mädchen gebildet, die so gekoppelt sind, dass sie im Physikunterricht in eine Mädchen- und eine Jungengruppe geteilt werden können. Die beiden übrigen siebten Klassen bleiben unberührt und bilden die Kontrollgruppe. Dem Projekt stimmten nach Auskunft Schuffs die Gesamtkonferenz, der Schulelternbeirat und der Schulausschuss zu.

Bildungsstaatssekretär Hans Beckmann begrüßt die Initiative des Zweibrücker Gymnasiums, die Attraktivität der MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) zu steigern. „Es ist erklärtes Ziel der Landesregierung, Schülerinnen und Schüler bei der Studienorientierung zu unterstützen“, sagt Beckmann. Dazu gehöre auch, sie auf Berufsfelder aufmerksam zu machen, die sie zunächst nicht in Betracht gezogen hätten.

Der Zweibrücker Schuldezernent Rolf Franzen (CDU) betont auf Nachfrage, dass das Projekt allein die Entscheidung der Schule und des Bildungsministeriums sei. Er stehe dem Modell zunächst „neutral“ gegenüber. Als früherer Lehrer fragt er sich allerdings, „ob das der Weisheit letzter Schluss ist“. Die Schule müsse aufpassen, dass kein „Physik light“ angeboten werde.

Stengel betont: „Die Schülerinnen und Schüler in allen vier Klassen werden nach dem gleichen Lehrplan mit den gleichen Inhalten unterrichtet.“