Zweibrücken | 21. April 2017 | Autor: Volker Baumann

Ganz besondere Aussichten

Die Fenster im größten Profanbau der Pfalz: Das Zweibrücker Schloss hat bewegte Zeiten hinter sich – und wartet mit manch statistischer Besonderheit auf. So zählt das stattliche Bauwerk etwa 162 Fenster – ohne Kellerfenster.


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Bei der Oster-Rallye des Technischen Hilfswerks Zweibrücken (THW) am Karsamstag (wir berichteten) wurde den Teilnehmern, die den Zielpunkt „Älteste Apotheke Zweibrückens“ gefunden hatten, dort die Frage gestellt, wie viele Fenster denn das Zweibrücker Schloss auf der Vorderseite habe. 63 war die richtige Antwort auf dem Laufzettel. Auch auf der Rückseite sind es 63. Mit der ebenfalls gleichen Anzahl von seitlichen Fenstern, nämlich jeweils 18, kommt man auf eine Gesamtzahl von 162 Fenstern (Kellerfenster ausgenommen). Keine leichte Aufgabe für die beauftragte Reinigungsfirma, die zweimal im Jahr „besseren Durchblick“ verschafft. Das Ganze wird in zwei bis drei Tagen abgewickelt, allerdings erst, seit die alten Doppelfenster durch moderne Fenster ersetzt wurden. Früher habe die Prozedur fast vierzehn Tage gedauert. Das 80 Meter lange Gebäude, seit 1965 Sitz des Pfälzischen Oberlandesgerichts, gilt als der größte Profanbau der Pfalz. Vorgänger des heutigen Schlosses war die im 12. Jahrhundert von den Grafen von Zweibrücken errichtete Burg Zweibrücken zum Schutz einer benachbarten Handelsstraße. Sie lag am östlichen Schenkel des Dreiecks, das heute den Schlossplatz bildet. Im 15. Jahrhundert wurde Zweibrücken zur Residenz der Herzöge von Pfalz-Zweibrücken und im 16. und 17. Jahrhundert wurde das Schlossareal durch die Wittelsbacher Herzöge mehrfach erweitert und mit neuen Bauten geschmückt. Nach der weitgehenden Zerstörung 1677 im Holländischen Krieg ließ Herzog Gustav Samuel 1720 bis 1725 das Residenzschloss in seiner heutigen Form durch den Baumeister Jonas Erikson Sundahl errichten. Dieses Schloss, welches entsprechend dem Stil der Zeit nicht mehr Verteidigungszwecken, sondern Repräsentationszwecken diente, wurde am nördlichen Schenkel des Dreiecks errichtet. Am 3. Mai 1793 wurde dieses durch die revolutionären Truppen geplündert und blieb für 25 Jahre Ruine, nach Beendigung der französischen Herrschaft wurde das ruinierte Gebäude 1818 bis 1820 in eine Kirche und später in einen Justizpalast umgebaut. 1817 erhielt die katholische Gemeinde Zweibrücken durch ein Dekret König Maximilians I. die Ruine des ehemaligen Herzogsschlosses zugewiesen mit der Genehmigung, diese in eine Kirche umzubauen. Man brach die Zwischenwände im mittleren Teil des Schlosses ab, so dass ein Kirchenraum entstand, und setzte einen Dachstuhl mit Schieferdeckung auf das Gebäude. Die so entstandene „Maximilianskirche“ wurde am 28. Mai 1820 durch den Generalvikar Humann geweiht. Später wurde ein Glockenturm angebaut. Der östliche Teil des Gebäudes wurde als Wohnung des katholischen Geistlichen bestimmt, der westliche Teil diente längere Zeit als königliches Absteigequartier und wurde später an den königlichen Appellationsgerichtshof der Pfalz vermietet. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts schritt man dann – nach Plänen von Ludwig Molitor – zu einem Neubau der Kirche im ehemaligen Schlossgarten und überließ nach Fertigstellung der Heilig-Kreuz-Kirche die bisherige „Maximilianskirche“ einer neuen Nutzung als Justizpalast. Der Glockenturm wurde wieder abgetragen. 1945 kam es infolge des Kriegsbombardements zur abermaligen Zerstörung des Schlosses. Nur die massiven Außenmauern hielten teilweise stand. Die Restaurierung von 1962 bis 1964 stellte nach den in Nancy gefundenen Originalplänen von Jonas Erikson Sundahl die barocke Fassade und die abgeflachte Bedachung der Erbauungszeit wieder her.