Zweibrücken | 06. Mai 2016 | Autor: Gerrit Dauelsberg

Jeden Tag eine Unfallflucht

Bei der Aufklärung von Unfallfluchten ist die Polizei vor allem auf Zeugen angewiesen. Damit diese sich auch melden, hat die Zweibrücker Inspektion das Thema zu einem Schwerpunkt erhoben. Die Folge: 2015 wurden deutlich mehr Unfallfluchten gemeldet. Die Aufklärungsquote sank allerdings.


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Im Schnitt mehr als eine Unfallflucht pro Tag ist der Zweibrücker Polizei im vergangenen Jahr gemeldet worden. Das teilt Inspektionsleiter Matthias Mahl in einem Merkur-Gespräch mit. Darin zieht er eine Bilanz des Schwerpunktthemas 2015, das sich dem Kampf gegen unerlaubtes Entfernen vom Unfallort widmete. Dabei sind die Zahlen auf dem ersten Blick ernüchternd, wie auch Mahl einräumt: Die Aufklärungsquote bei diesen Straftaten sank im Vergleich zu 2014 von 43,3 auf 40,2 Prozent. Allerdings weist der Inspektionsleiter darauf hin, dass durch die Sensibilisierung der Bevölkerung deutlich mehr Unfallfluchten als in den Vorjahren bei der Polizei angezeigt wurden. Lag die Zahl der Delikte 2014 noch bei 323, wurden im vergangenen Jahr 378 Unfallfluchten gemeldet. Erhöht habe sich die Zahl der Anzeigen vor allem nach der Aufstellung eines Plakates in der Wilkstraße: „Jede Unfallflucht ist eine Straftat. Sind Sie Zeuge? Wählen Sie 110!“, steht darauf geschrieben. „Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Steigerungsrate in erster Linie Unfallfluchten betrifft, die vor Aufstellung des Banners gar nicht angezeigt worden wären“, mutmaßt Mahl. Insofern ist die Aufklärungszahl zwar gesunken – die Gesamtzahl an aufgeklärten Unfallfluchten ist aber von 140 auf 152 gestiegen. Und: Im ersten Quartal 2016 stieg auch die Quote deutlich an, auf 51,1 Prozent.

 

Neben dem Aufstellen des Plakates unternahm die Polizei im vergangenen Jahr noch mehr: So verteilte sie Flyer und gab Verhaltenshinweise. Das fruchtete, glaubt Mahl. Er nennt ein Beispiel: „Der ein oder andere war ganz überrascht, dass es nach einem Unfall nicht reicht, einen Zettel mit der Telefonnummer ans beschädigte Auto zu klemmen.“ Stattdessen müsse man eine gewisse Zeit am Unfallort warten, bis der Besitzer komme. Oder man rufe die Polizei, die den Unfall dann aufnehme.

 

Schwierige Beweislage

Doch warum ist Unfallflucht eigentlich ein solches „Massendelikt“, wie Mahl sagt? „Die Zeugenlage ist schwierig“, erklärt er. Gerade kleinere Unfälle bekomme oft niemand mit. Dieses geringe Entdeckungsrisiko verleite Verursacher dazu, einfach wegzufahren. Abschreckend wirke auch der Aufwand, den man mit der Unfallabwicklung habe. „Dazu kommt die Angst, dass die Versicherungsprämie hochgestuft wird“, ergänzt Mahl. Doch den potenziellen Unfallflüchtigen sollte bewusst sein, dass sie eine Straftat begehen, sobald sie den Unfallort unerlaubt verlassen. In jedem Fall drohe eine Geldstrafe, warnt Mahl. Bei hohem Sachschaden – etwa ab 2500 Euro – drohe gar der Verlust des Führerscheins. Werden Personen verletzt oder gar getötet, kann der Unfallflüchtige bis zu drei Jahre ins Gefängnis wandern.

 

Entsprechend ernst nimmt die Zweibrücker Polizei den Kampf gegen die Unfallflucht. In der Rosenstadt gibt es sogar eine eigene fünfköpfige Ermittlungsgruppe. Es ist bisweilen sehr aufwendig, diese Taten aufzuklären, berichtet Mahl. In erster Linie ist die Polizei dabei von Zeugenaussagen abhängig. Ist ein Verursacher überführt, bekommt die Polizei laut Mahl oft den gleichen Satz zu hören: „Ich habe den Unfall gar nicht bemerkt.“ Wie glaubhaft das ist, muss dann die Justiz klären.