Paris | 17. April 2017 | Autor: Agentur

Endspurt im Ringen um den Élysée

Wenige Tage vor Beginn der Präsidentschaftswahl steht Frankreich wohl vor einem knappen Rennen.


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Eine knappe Woche vor der ersten Runde waren sie alle nochmal auf der Bühne: Mit einem Appell für ein „zuversichtliches Frankreich“ stimmte der sozialliberale Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron seine Anhänger gestern auf den Wahlkampf-Endspurt ein. „Von elf Kandidaten wollen uns zehn zu einer Fantasievorstellung der Vergangenheit zurückführen“, sagte Macron vor Tausenden Menschen in einer Pariser Konzerthalle. Der parteilose frühere Wirtschaftsminister gilt als einer der Favoriten für den ersten Wahlgang am kommenden Sonntag und den Einzug in die Stichwahl am 7. Mai. Er verteidigte erneut seine pro-europäische Linie: „Ich entscheide mich gleichzeitig für ein starkes Frankreich und ein ehrgeiziges Europa.“

Auch die Rechtspopulistin und EU-Gegnerin Marine Le Pen wollte am späteren Montagabend mit einer großen Kundgebung in der Hauptstadt um Stimmen werben – eine Art Fernduell der beiden laut Umfragen aussichtsreichsten Kontrahenten. Allerdings war der Vorsprung der beiden zuletzt zusammengeschrumpft. Laut einer gestern veröffentlichten Umfrage des Instituts Opinionway für „Les Echos“ und Radio Classique kämen Macron und Le Pen derzeit auf 22 Prozent. Der Konservative François Fillon liegt mit 21 Prozent ganz knapp dahinter, der Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon kommt auf 18 Prozent.

Vor allem Mélenchon hatte in den vergangenen Wochen stark dazugewonnen, andere Institute sahen ihn zuletzt sogar noch näher bei Macron und Le Pen. Er ging gestern mit einer Bootstour auf einem Kanal in Paris auf Stimmenfang. Der Konservative François Fillon, dessen Kampagne von zahlreichen Affären überschattet wird, trat in Nizza auf und warb für sein Spar- und Reformprogramm: „Wir müssen unseren Staat von seinen Schulden befreien, und wir müssen unsere Wirtschaft von seinen Abgaben und Normen befreien“, sagte er.

Macron, der bei seiner Kundgebung immer wieder von Rufen „On va gagner“ („Wir werden gewinnen“) unterbrochen wurde, warb erneut für eine „solide und ausgewogene Allianz“ mit Deutschland. Zuvor hatte er allerdings die stark exportorientierte deutsche Wirtschaft attackiert. Deutschland müsse zu der Einsicht kommen, „dass seine wirtschaftliche Stärke in der jetzigen Ausprägung nicht tragbar ist“, sagte der unabhängig von den traditionellen Parteien antretende Kandidat den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Deutschland profitiere vom Ungleichgewicht in der Eurozone und erziele sehr hohe Handelsüberschüsse. „Die sind weder für seine eigene Wirtschaft gut noch für die Wirtschaft der Eurozone. Hier muss ein Ausgleich geschaffen werden“, sagte er, ohne konkreter zu werden.

Laut aktuellen Umfragen könnte der 39-jährige Macron die Rechtspopulistin Le Pen im entscheidenden zweiten Wahlgang klar schlagen.