Washington | 14. April 2017 | Autor: Frank Herrmann

Trump setzt Mega-Bombe ein

Das US-Militär lässt die Muskeln spielen. Und setzt auch ein Signal Richtung Nordkorea.


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Als die Bombe gefallen war, sprach Donald Trump von einer „weiteren sehr, sehr erfolgreichen Mission“. Es war das erste Mal, dass seine Streitkräfte zu einer Waffe griffen, deren Spitzname schon alles über ihre Wucht sagt: Mutter aller Bomben. Im Osten Afghanistans abgeworfen, soll sie ein Tunnellabyrinth der Dschihadistenmiliz „Islamischer Staat“ zerstört und, so das afghanische Verteidigungsministerium, 36 IS-Kämpfer getötet haben. Während Kritiker von Trump wissen wollen, welche langfristigen Ziele er mit solchen Aktionen verfolgt, ist gerade ein US-Präsident zu erleben, der sich an Machtdemonstrationen förmlich berauscht.

Trump spricht mit unverhohlenem Stolz davon, dass er sein Militär von der Leine gelassen hat. Restriktionen, wie sie noch unter Barack Obama galten, seien aufgehoben, verkündet das Weiße Haus. In taktischen Belangen könnten die Kommandeure vor Ort alle Entscheidungen treffen, ohne sich noch einmal mit Washington absprechen zu müssen. Ergo, so zumindest die offizielle Darstellung, habe der Staatschef den Einsatz der gewaltigen Bombe nicht extra genehmigen müssen.

Ob das nun stimmt oder nicht: Trump, der große Stücke auf Generäle hält, weshalb er gleich mehrere in sein Kabinett holte, gefällt sich in der Rolle des Delegierenden, der seinen Spezialisten für Kriegsführung freie Hand lässt. Was aus seiner Sicht den Vorteil hat, dass er Verantwortung leugnen kann, wenn es schiefgeht. „Ich mache es so, ich autorisiere mein Militär“, sagte er wenige Stunden nach dem Abwurf. „Wir haben das beste Militär der Welt. Wir haben ihm alle Vollmachten gegeben, und das ist es, was es dann tut. Offen gesagt, das ist der Grund, warum es in letzter Zeit so erfolgreich war.“

Zum zweiten Mal binnen sieben Tagen lässt Trump die militärischen Muskeln der Supermacht spielen. Vorige Woche ließ er, in dem Fall ausdrücklich von ihm persönlich angeordnet, 59 Tomahawk-Raketen auf eine syrische Luftwaffenbasis abfeuern. Nun folgte die Premiere für eine Waffe, die die USA seit 2003 in ihrem Arsenal haben, die sie aber noch nie eingesetzt haben. Die GBU-43 ist die Nachfolgerin der „Daisy Cutter“, die in Vietnam Angst und Schrecken verbreitete. Rund zehn Meter lang und elf Tonnen schwer, ist sie darauf ausgelegt, Bunker und Tunnelsysteme aufzubrechen. Ihre Fachbezeichnung, „Massive Ordnance Air Blast“, hat die Umgangssprache durch „Mother of All Bombs“ ersetzt – Mutter aller Bomben. Ob es wirklich nur um einen Schlag gegen den IS ging? Oder eher um eine politische Botschaft, unter anderem gerichtet an die Adresse des atomar aufrüstenden Nordkoreas – Medienberichten zufolge bereiten die USA einen vorbeugenden Luftangriff gegen Nordkorea vor, sollten sie von einem bevorstehenden weiteren Atomtest des kommunistischen Regimes überzeugt sein. Trump weicht salopp aus, wie es oft seine Art ist. „Nordkorea ist ein Problem, und für die Lösung des Problems wird gesorgt“, sagt er.

Jedenfalls ist dies die Stunde einer verblüffenden Volte. Der Präsident Trump ist dabei, weltweit Drohkulissen aufzubauen, nachdem der Kandidat Trump noch den Isolationisten gegeben hatte. Obwohl er schon im Wahlkampf ankündigte, den IS „zur Hölle bomben“ zu wollen, war der Kern seines Versprechens ein defensiver: Amerika weitgehend herauszuhalten aus den Wirren des Weltgeschehens. In der Rolle des Weltpolizisten sorgt er für große Verwunderung. Hatte er doch immer betont, sein Land dürfe nicht mehr der Weltpolizist sein. Unklar bleibt, welche Strategie seinem Schwenk zugrunde liegt. Und ob es überhaupt eine Strategie gibt.

Er selber wischt den Vorwurf der Sprunghaftigkeit mit dem Hinweis beiseite, dass er aus Gewohnheit ein hohes Maß an Flexibilität an den Tag lege. Doch zunehmend drängt sich der Eindruck auf, als vollziehe er nur deshalb überraschende Kehrtwenden, weil er sich mit kniffligen Weltproblemen bislang kaum gründlich beschäftigt hat.

Bezeichnend, wie er nach einem Treffen mit seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping zur Umkehr blies. Ursprünglich wollte er Xi unter Druck setzen, Nordkorea den Marsch zu blasen. Hinterher klang es ganz anders. Sein Gast habe ihm erklärt, dass es so einfach nicht sei. „Und nachdem ich ihm zehn Minuten lang zugehört habe, begriff ich, so leicht ist das nicht.“

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