Kaiserslautern | 20. April 2017

Abstiegskrimi auf dem Betzenberg

Fußball-Zweitligist 1. FC Kaiserslautern empfängt heute Abend den TSV 1860 München zum „Sechs-Punkte-Spiel“.


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(dpa/red) Für den 1. FC Kaiserslautern wird es im Abstiegskampf der 2. Fußball-Bundesliga immer enger. Nur noch das bessere Torverhältnis trennt den viermaligen deutschen Meister vom Relegationsplatz. An diesem Freitagabend (18.30 Uhr/Sky) kommt es auf dem Betzenberg zum Abstiegskrimi gegen den TSV 1860 München, der in der Tabelle nur einen Zähler mehr aufzuweisen hat. Bei einer Niederlage drohen die Lauterer noch weiter Richtung 3. Liga abzustürzen. Gleichzeitig könnte mit einem Sieg aber auch ein Sprung aus dem Tabellenkeller gelingen.

„Es gilt jetzt gegen 1860, die Weichen so zu stellen, dass wir in den letzten vier Spielen eine bessere Ausgangssituation haben als München“, sagte Sportdirektor Uwe Stöver vor diesem „Sechs-Punkte-Spiel“. Mit Karlsruhe, St. Pauli und Aue warten in den nächsten Wochen dann weitere direkte Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt auf den FCK.

„Wir müssen die Dinge abrufen, die wichtig sind: Zweikampfstärke, Laufbereitschaft und Biss“, sagte auch Trainer Norbert Meier gestern. Mit Kapitän Daniel Halfar und Stürmer Osayamen Osawe hat er immerhin wieder zwei Alternativen mehr zur Verfügung.

Nur 23 Treffer in 29 Saison-Spielen zeigen schonungslos, woran der Niedergang in dieser Saison festzumachen ist. Der Angriff ist zumindest in sportlicher Hinsicht das Problem. Würden die Pfälzer nicht mit 29 Gegentoren gemeinsam mit Hannover 96 die zweitbeste Defensive der Liga haben, wäre der Abstieg vermutlich schon besiegelt. Sportchef Stöver ist vor den entscheidenden Wochen dennoch positiv gestimmt: „Ich glaube, dass die Mannschaft die sportliche Qualität hat und die Mentalität auf den Platz bringt, die man für den Abstiegskampf braucht“, betonte der 50-Jährige.

Das ist auch dringend nötig, denn vor allem finanziell wäre ein Abstieg kaum zu verkraften. Zu groß sind die Lasten, die der Traditionsverein zu tragen hat. Allein die Pacht der überdimensionierten WM-Arena wäre in der 3. Liga kaum noch zu stemmen. Sie soll im kommenden Jahr auf 2,62 Millionen Euro steigen.

Auch die Suche nach einem Investor dürfte sich im Fall eines Abstiegs massiv erschweren. Hier läuft dem finanziell arg gebeutelten Club die Zeit davon. Das Paradoxe an dem Spiel am Freitag ist: Der FCK braucht einen externen Geldgeber, um auf Dauer zu überleben. Der TSV 1860 hat mit dem Jordanier Hasan Ismaik schon einen Investor und sich mit ihm auch eine Menge Ärger, Chaos und negative Schlagzeilen eingehandelt. Eine Alleinherrschaft wie von Ismaik in München soll es in Kaiserslautern jedoch nicht geben. Der FCK will auch „Fans und kleine lokale Sponsoren beteiligen, damit trotz des Investors die Werte, die für den Verein stehen, in die neue Struktur übergehen“, sagte Finanzvorstand Michael Klatt gegenüber dem „SWR“.

Das Zauberwort heißt in diesem Zusammenhang „Ausgliederung“. Das heißt, die Profiabteilung soll aus dem eingetragenen Verein herausgelöst werden. Eine Maßnahme, die dringend nötig ist, sagt der Vorstandsvorsitzende des FCK, Thomas Gries: „Rein rechtlich hat der Investor keine Möglichkeit, Anteile am eingetragenen Verein zu erwerben. Das heißt, er könnte nur Sponsoring oder Fremdkapital zur Verfügung stellen. Aber wir suchen ja einen strategischen Partner, der mit uns eine Partnerschaft eingeht, mit seinem Kapital den Weg mit uns bestreitet, um die Erste Liga zu erreichen.“

Die Ausgliederung der Profiabteilung wird von vielen Fans und Mitgliedern des 1. FC Kaiserslautern kritisch gesehen. Das weiß auch Gries ganz genau. Daher hat der Verein einen Arbeitskreis gegründet. Außerdem können sich FCK-Mitglieder zu den Treffen anmelden und Fragen stellen, sagt Thomas Gries. „Wir werden uns monatlich treffen und – wenn es gut läuft – bis zum Ende des Jahres eine außerordentliche Mitgliederversammlung durchführen können mit dem Thema Ausgliederung. Wir können das ja nur mit den Mitgliedern machen und nicht gegen ihren Willen. Am Ende des Tages müssen die Mitglieder über diesen Weg mitbestimmen“, so Gries.

Ein anderes Problem wäre damit aber noch nicht gelöst: Nur die wenigsten Lauterer Profis haben Verträge, die auch für die 3. Liga gültig sind. Ein Sieg gegen 1860 München würde solche Sorgen erst einmal lindern. „Es bringt nichts, nach links und rechts zu schauen. Wir müssen uns mit der Situation identifizieren und dann geht's ab“, sagte Meier.