Dillingen | 16. Mai 2017 | Autor: Joachim Wollschläger,Michael Jungmann

Razzia bei Dillinger Hütte und SHS

Das Bundeskartellamt hat gestern gemeinsam mit der Polizei Büros und Privatwohnungen von Mitarbeitern der beiden Firmen durchsucht.


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Die AG der Dillinger Hüttenwerke und die SHS – Stahl-Holding-Saar GmbH & Co KG hat gestern Besuch von Kartellamt und Kriminalpolizei bekommen. Zwölf Mitarbeiter des Bundeskartellamtes und dreißig Polizisten untersuchten mehrere Unternehmensstandorte sowie Privatwohnungen, teilte das Kartellamt gestern mit. Auf Seiten der Polizei war das Dezernat für besondere Ermittlungen und Korruption im Einsatz.

Bei der Durchsuchung geht es dem Kartellamt zufolge um vermutete Preisabsprachen bei der Vergabe von Industriebauaufträgen. Dieser sogenannte Submissionsbetrug wird mit Freiheits- oder Geldstrafen geahndet. Informationen zufolge soll auch der Baukonzern Hochtief im Fokus der Ermittler stehen.

Eine Sprecherin der Dillinger Hütte bestätigte gestern die Durchsuchungen und auch Zeugenbefragungen. „Die Unternehmen werden im Rahmen der geltenden Verfahrensregelungen alles tun, um die Ermittlungen aktiv zu unterstützen“, hieß es.

Beim Submissionsbetrug sprechen Unternehmen im Rahmen einer Ausschreibung vorab die Preise ab, so dass die Angebote keinen echten Marktpreis mehr darstellen. Auf welches der Investitionsprojekte der vergangenen Jahre sich der Verdacht des Bundeskartellamtes bezieht, wollte dessen Sprecher Kay Weidner gestern nicht mitteilen.

Die Dillinger Hütte, die gemeinsam mit Saarstahl zur Stahl-Holding-Saar (SHS) gehört, hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Millionen-Investionen auf den Weg gebracht. Die größte Investition war der Bau der neuen Stranggießanlage CC6, die im vergangenen Jahr fertiggestellt wurde. Mit über 400 Millionen Euro war es die größte Einzelinvestition am Standort. Eine weitere Großinvestition – allerdings gemeinsam mit Saarstahl – war die Komplett-Überarbeitung des Hochofens 4 von Dillinger Hütte und Saarstahl. Die Hochofen-Erneuerung, die innerhalb der Rekordzeit von 90 Tagen über die Bühne ging, kostete die beiden Unternehmen 150 Millionen Euro. Außerdem hat die Dillinger Hütte 2013 für 40 Millionen Euro eine neue Vakuumbehandlungsanlage und für zehn Millionen Euro eine Blechkantenfräsmaschine gebaut.